Denise Winter
von Denise Winter
Fremdgehen in der Beziehung: Ursachen, Umgang & Weg nach vorn
Denise Winter
Systemische Therapeutin & Coachin · Oldenburg
Partnerschaft & Vertrauen

Fremdgehen: Warum es passiert, was es mit beiden Seiten macht – und wie es weitergehen kann

„Fremdgehen" ist ein kleines Wort für etwas, das in einer Beziehung meistens sehr groß wird. Ich kenne es aus meiner Praxis von allen Seiten: die Frau, die mir unter Tränen erzählt, dass sie seit Monaten heimlich mit einem Kollegen schreibt und selbst nicht mehr genau weiß, wie weit das schon gegangen ist. Den Mann, der herausgefunden hat, dass seine Partnerin ihn betrogen hat, und seitdem jede Nacht wach liegt und sich fragt, was an ihrer gemeinsamen Geschichte überhaupt noch echt war. Und die Paare, bei denen einer von beiden offen zugibt, mit dem Gedanken zu spielen, fremdzugehen – noch nichts getan hat, aber merkt, wie nah er oder sie dieser Grenze schon gekommen ist.

Wenn du diesen Artikel liest, gehörst du wahrscheinlich zu einer dieser Gruppen. Vielleicht hast du selbst fremdgehen, bist es bereits oder trägst seit Wochen ein Geheimnis mit dir herum, das dich innerlich auffrisst. Vielleicht hast du gerade herausgefunden, dass dein Partner oder deine Partnerin untreu war, und der Boden unter dir fühlt sich an, als würde er jeden Moment nachgeben. Oder ihr seid als Paar an einem Punkt, an dem ihr gemeinsam entscheiden müsst, wie es nach einem Seitensprung weitergehen kann – oder ob es überhaupt weitergehen soll.

Ich schreibe diesen Artikel bewusst für alle drei Perspektiven. Denn Fremdgehen ist so gut wie nie eine einfache Geschichte von „gut" und „böse", von Täter und Opfer. Es ist fast immer ein Symptom – für etwas, das in der Beziehung, aber oft auch im Inneren eines Menschen, schon länger nicht mehr stimmig war. Das nimmt niemandem die Verantwortung für sein Handeln ab. Aber es hilft, genauer hinzuschauen, statt sich in Schuldzuweisungen zu verlieren.

Was heißt „fremdgehen" eigentlich?

In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass Paare sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wo Untreue eigentlich anfängt. Für die einen beginnt Fremdgehen erst bei Sex mit einer anderen Person. Für andere schon bei einem heimlichen Flirt, bei täglichen Nachrichten mit versteckten Gefühlen, bei einem Date, das „eigentlich nichts war". Diese Unschärfe ist kein Zufall – sie ist Teil des Problems.

Die amerikanische Paartherapeutin Esther Perel, die sich in ihrer Arbeit intensiv mit Affären beschäftigt hat, unterscheidet deshalb nicht nur zwischen körperlicher und emotionaler Untreue, sondern beschreibt eine Affäre über drei Elemente: ein Geheimnis, eine emotionale Investition außerhalb der Beziehung und eine sexuelle Spannung – die nicht zwingend ausgelebt werden muss, um bereits etwas zu verändern. Nach dieser Definition kann auch ein rein digitaler Austausch, der heimlich stattfindet und emotional auflädt, bereits Fremdgehen sein, selbst wenn es nie zu Berührung kommt.

Wichtig ist mir dabei: Es geht nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger jede Freundschaft oder jeden Chat unter Generalverdacht zu stellen. Es geht darum, ehrlich mit sich selbst zu sein. Ein guter Gradmesser ist die Frage: Würde ich das genauso vor meinem Partner oder meiner Partnerin tun – oder tue ich es genau deshalb heimlich, weil ich weiß, dass es etwas verändern würde, wenn er oder sie es sähe? Diese Frage ist unbequem. Aber sie ist ehrlicher als jede Definition, die von außen kommt.

Warum gehen Menschen überhaupt fremd?

Es gibt keine einzelne Antwort auf diese Frage – und jede pauschale Erklärung greift zu kurz. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf das, was Forschung und Praxis dazu zeigen, denn er nimmt dem Thema etwas von seiner Dramatik und macht es greifbarer.

Eine Studie des Partnervermittlungsportals Parship unter Menschen mit Untreue-Erfahrung zeigt interessante Unterschiede: Frauen gaben am häufigsten an, fremdgegangen zu sein, weil die Liebe zum Partner nicht mehr stark genug war. Bei Männern stand dagegen am häufigsten eine verlockende Gelegenheit im Vordergrund, die sich einfach ergeben hat. Bemerkenswert ist außerdem, dass die allermeisten befragten Affären – rund 86 Prozent – nicht geplant waren, sondern spontan entstanden sind, oft im Freundeskreis, beim Ausgehen oder im beruflichen Umfeld. Gleichzeitig sagen fast alle Befragten, unabhängig vom eigenen Verhalten, dass ihnen Treue grundsätzlich wichtig ist. Das zeigt: Fremdgehen und der Wunsch nach einer treuen Beziehung schließen sich im Erleben vieler Menschen nicht aus – was zunächst widersprüchlich klingt, aber sehr viel über die menschliche Psyche verrät.

Esther Perel geht in ihrer Arbeit noch einen Schritt weiter. Sie beobachtet, dass es bei Affären oft gar nicht in erster Linie um die andere Person geht, sondern um etwas, das der oder die Betreffende in sich selbst wiederfinden will. Alltag, Routine und die vielen Rollen, die eine Partnerschaft heute erfüllen soll – Liebespartner, beste Freundin, Elternteil, Wirtschaftspartner, Ansprechperson für alles – erzeugen einen Druck, dem keine Beziehung dauerhaft standhalten kann. Eine Affäre verspricht dann, kurzfristig, das Gegenteil: Aufregung, Gesehenwerden, das Gefühl, wieder lebendig zu sein.

„Wir gehen selten fremd, weil wir unseren Partner verlassen wollen. Oft gehen wir fremd, weil wir einen Teil von uns selbst wiederfinden wollen, den wir auf dem Weg verloren geglaubt haben." — nach Esther Perel

Aus systemischer Sicht kommt noch eine weitere Ebene dazu: Eine Affäre passiert nie im luftleeren Raum. Sie entsteht in einer bestimmten Beziehungsdynamik, zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben – oft, wenn Nähe schon länger fehlt, wenn Konflikte nicht mehr wirklich geklärt werden, wenn sich einer oder beide Partner emotional zurückgezogen haben, ohne dass es ausgesprochen wurde. Das erklärt nicht jede Untreue – manche Affären entstehen tatsächlich trotz einer eigentlich stabilen, liebevollen Beziehung, einfach aus einer unerwarteten Gelegenheit heraus. Aber bei vielen Paaren, die zu mir kommen, war die Affäre am Ende weniger die Ursache der Krise als ihr sichtbarstes Symptom.

Wenn du selbst fremdgegangen bist oder mit dem Gedanken spielst

Vielleicht liest du diesen Artikel, weil du selbst gerade in einer solchen Situation steckst. Du hast bereits Grenzen überschritten – oder du merkst, wie nah du ihnen gerade kommst, mit jemandem, der nicht dein Partner oder deine Partnerin ist. Vielleicht sagst du dir gerade: „Ich würde das nie tun." Und gleichzeitig spürst du, dass etwas in dir schon längst unterwegs ist.

Ich möchte hier bewusst nicht moralisieren. Das würde dir in diesem Moment nicht helfen, und es würde der Komplexität der Situation nicht gerecht. Stattdessen ein paar Fragen, die ich Klient:innen in genau dieser Lage stelle – nicht, um sie zu verurteilen, sondern um ihnen zu helfen, sich selbst wieder klarer zu sehen:

Was bekomme ich dort, was mir gerade woanders fehlt? Ist es Aufmerksamkeit, das Gefühl begehrt zu werden, Leichtigkeit, jemand, der wirklich zuhört? Diese Frage zeigt oft sehr genau, wo in der eigenen Beziehung – oder im eigenen Leben – gerade etwas fehlt.

Was würde es bedeuten, das offen anzusprechen, statt es heimlich auszuleben? Viele Menschen haben große Angst vor diesem Gespräch – und genau diese Angst hält heimliche Dynamiken oft länger am Leben, als es der eigentlichen Unzufriedenheit entspricht.

Was würde ich verlieren, wenn mein Partner davon erführe – und was würde ich vielleicht auch gewinnen? Manchmal steckt hinter der Angst vor Entdeckung auch eine leise Hoffnung, dass endlich etwas passiert, das die eingefahrene Situation verändert.

Wenn du bereits fremdgegangen bist: Das allein macht dich nicht zu einem schlechten Menschen. Es macht dich zu einem Menschen, der etwas getan hat, das jemand anderem sehr wehtun kann und das eigene Werte verletzt haben mag. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Was jetzt zählt, ist weniger die Tat selbst als die Frage, wie ehrlich und verantwortungsvoll du mit ihr umgehst – dir selbst und deinem Partner oder deiner Partnerin gegenüber. Ein Geheimnis dauerhaft mit sich zu tragen, kostet auf Dauer sehr viel Kraft und vergiftet meistens auch die eigene Verbindung zu sich selbst.

Wenn du betrogen wurdest: der Boden, der wegbricht

Wenn du herausgefunden hast, dass dein Partner oder deine Partnerin fremdgegangen ist, brauchst du wahrscheinlich gerade keine Erklärungen darüber, warum Menschen untreu werden. Du brauchst vor allem eines: die Bestätigung, dass das, was du gerade fühlst, normal ist – auch wenn es sich anfühlt, als würdest du den Verstand verlieren.

Viele Betroffene beschreiben mir Symptome, die eher an eine akute Belastungsreaktion erinnern als an „normale" Eifersucht oder Enttäuschung: Herzrasen beim Gedanken an bestimmte Details, sich aufdrängende Bilder, die einfach nicht aufhören, extreme Wachsamkeit gegenüber dem Handy oder dem Kalender des Partners, Konzentrationsprobleme, Appetitlosigkeit, das Gefühl, die eigene Geschichte im Nachhinein neu schreiben zu müssen – „War das damals, als er so oft überstunden hatte, auch schon...?" In der Forschung wird das teilweise als Betrayal Trauma beschrieben: Vertrauensbruch durch eine nahestehende Bindungsperson kann das Nervensystem ähnlich stark erschüttern wie andere einschneidende Erfahrungen, weil ausgerechnet die Person, die eigentlich Sicherheit geben sollte, zur Quelle der Bedrohung wird.

Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist nicht überempfindlich, und du bildest dir nichts ein. Dein System reagiert genau so, wie es reagieren sollte, wenn eine grundlegende Sicherheit erschüttert wurde.

Gleichzeitig erlebe ich, dass der Prozess danach – ähnlich wie bei Trauer – in Wellen verläuft, nicht geradlinig. Auf Tage voller Wut folgen Tage, an denen alles fast normal wirkt, gefolgt von Momenten, in denen der Schmerz unvermittelt zurückkommt, ausgelöst durch eine Kleinigkeit. Dieser Verlauf ist kein Rückschritt. Er ist Teil des Verarbeitens.

Eine Frage, die mir betrogene Klient:innen fast immer stellen, lautet: „Bin ich selbst schuld, weil ich in der Beziehung nicht genug gegeben habe?" Meine Antwort darauf ist klar: Auch eine unglückliche, konfliktreiche oder distanzierte Beziehung rechtfertigt kein Fremdgehen. Es gibt in jeder Beziehung andere Wege, mit Unzufriedenheit umzugehen – das offene Gespräch, die Trennung, die Paartherapie. Untreue ist eine Entscheidung, die der untreue Partner trifft, nicht eine automatische Folge, für die der andere verantwortlich gemacht werden kann. Das entlastet dich nicht von der Frage, wie eure Beziehung als Ganzes funktioniert hat – aber es entlastet dich von dem Gefühl, die Untreue selbst „verursacht" zu haben.

Ist die Beziehung nach einem Seitensprung noch zu retten?

Diese Frage stellen mir fast alle Paare, die nach einer Affäre zu mir in die Praxis kommen – meistens schon im ersten Satz. Meine ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Nicht auf die Tat allein, sondern darauf, was beide bereit sind, danach zu investieren.

Der Paarforscher John Gottman, der über Jahrzehnte hinweg Paare in Krisen untersucht hat, hat gemeinsam mit seinem Team ein Modell entwickelt, das viele Paartherapeut:innen – auch ich – als Orientierung nutzen, um Vertrauen nach einem Vertrauensbruch wieder aufzubauen: die sogenannte Trust Revival Method. Sie beschreibt drei Phasen, die zeitlich aufeinander aufbauen und nicht übersprungen werden sollten, so verlockend es manchmal ist, schnell zur „Normalität" zurückzukehren.

Phase 1

Versöhnung – Verantwortung ohne Wenn und Aber

Der untreue Partner übernimmt vollständig die Verantwortung für das eigene Verhalten, ohne sich zu rechtfertigen oder die Schuld zu relativieren. Der verletzte Partner braucht in dieser Phase Raum für Fragen, Wut und Schmerz – so oft und so intensiv, wie es gerade nötig ist. Das ist für beide Seiten anstrengend, aber es ist die Grundlage für alles Weitere. Ohne diese Phase bleibt jede spätere Annäherung brüchig.

Phase 2

Abstimmung – gemeinsam verstehen, was passiert ist

Beide Partner beginnen, offen über das zu sprechen, was zur Affäre geführt hat – nicht als Schuldzuweisung, sondern als ehrliche Bestandsaufnahme der Beziehung davor. Welche Bedürfnisse waren über längere Zeit nicht erfüllt? Wo haben sich beide auseinandergelebt, ohne es rechtzeitig anzusprechen? Diese Phase braucht oft therapeutische Begleitung, weil sie leicht wieder in Vorwürfe kippen kann, wenn niemand moderiert.

Phase 3

Bindungsstärkung – Nähe neu aufbauen

Erst wenn die ersten beiden Phasen tragfähig sind, beginnt der Wiederaufbau von emotionaler und körperlicher Nähe – bewusst, in kleinen Schritten, ohne Druck. Beide sprechen offen über Bedürfnisse und schaffen bewusst neue, positive gemeinsame Erfahrungen, die nicht von der Affäre überschattet sind.

Was mir in der Arbeit mit Paaren nach einer Affäre besonders wichtig ist: Diese Phasen brauchen Zeit – meistens deutlich mehr, als beide Partner sich zu Beginn wünschen. Viele Paare unterschätzen, wie lange es dauert, bis sich echtes Vertrauen wieder aufbaut, und geraten dann in eine zweite Krise, wenn der verletzte Partner nach einigen Wochen „immer noch" mit der Situation ringt. Das ist kein Zeichen von Scheitern. Vertrauen wächst nicht linear – und es ist völlig normal, dass es Rückschritte gibt, bevor es wirklich trägt.

Acht Impulse, die jetzt helfen können

Die folgenden Impulse richten sich je nach eurer Situation an unterschiedliche Personen – manche an den untreuen Partner, manche an den betrogenen, manche an euch als Paar. Lest sie mit Blick auf eure eigene Lage, nicht als starre Checkliste.

1Der Affäre ein klares Ende setzen

Wenn ihr euch für die Beziehung entscheidet, gehört dazu ein eindeutiges, überprüfbares Ende des Kontakts zur dritten Person – keine „lose Enden", keine gelegentlichen Nachrichten „nur um es sauber zu beenden". Alles andere untergräbt jeden weiteren Vertrauensaufbau, bevor er überhaupt beginnt.

2Ehrlich antworten, auch wenn es wehtut

Der betrogene Partner hat ein berechtigtes Bedürfnis nach Antworten. Das bedeutet nicht, jedes Detail auszubreiten – manche Details vergrößern den Schmerz, ohne beim Verarbeiten zu helfen. Aber ausweichende oder halbe Wahrheiten verlängern die Krise fast immer, weil das Vertrauen dann nie wirklich neu beginnen kann.

3Dem eigenen Tempo Raum geben

Es gibt kein „richtiges" Tempo für Verzeihen oder Vertrauen. Manche Menschen brauchen Wochen, andere über ein Jahr, bis sich etwas wirklich stabilisiert. Setzt euch nicht selbst unter Druck, „schon längst darüber hinweg" zu sein, nur weil Zeit vergangen ist.

4Trigger als das benennen, was sie sind

Bestimmte Orte, Lieder, Uhrzeiten oder Situationen können beim betrogenen Partner plötzlich starke Reaktionen auslösen. Das sind keine Überreaktionen, sondern normale Trigger nach einem Vertrauensbruch. Sie zu benennen, statt sie zu bewerten, nimmt ihnen einen Teil ihrer Wucht.

5Nicht ständig Rechenschaft fordern – aber auch nicht verweigern

Für eine gewisse Zeit nach einer Affäre ist erhöhte Transparenz – etwa beim Standort oder bei Nachrichten – für viele Paare ein sinnvoller, zeitlich begrenzter Vertrauensbaustein. Wichtig ist, dass ihr das gemeinsam vereinbart, mit einem Enddatum oder Überprüfungspunkt, statt dass daraus dauerhafte Kontrolle wird.

6Die eigene Verantwortung übernehmen – ohne sich selbst zu zerstören

Wenn du fremdgegangen bist, hilft weder Selbstbestrafung noch Verdrängung. Beides verhindert echte Veränderung. Verantwortung übernehmen heißt: verstehen, ohne zu rechtfertigen, und aktiv daran arbeiten, dass sich die zugrundeliegende Dynamik verändert – egal ob innerhalb der Beziehung oder außerhalb.

7Die Beziehung als Ganzes anschauen, nicht nur die Affäre

Wenn ihr euch für einen gemeinsamen Weg entscheidet, lohnt sich der Blick über die Affäre hinaus: Wie war eure Kommunikation vor der Krise? Wo habt ihr euch emotional verloren? Diese Fragen sind unbequem, aber sie entscheiden, ob ihr eine wirklich neue Beziehung aufbaut – oder nur zur alten zurückkehrt, in der die nächste Krise schon angelegt ist.

8Euch professionelle Unterstützung holen

Nach einer Affäre allein den Weg zurück zueinander – oder auch den Weg der Trennung – zu finden, gelingt den wenigsten Paaren ohne Begleitung wirklich gut. Eine Paartherapie bietet einen geschützten Rahmen, in dem beide gehört werden, ohne dass Gespräche im Streit enden. Das ist kein Zeichen dafür, dass eure Beziehung „nicht mehr zu retten" ist – im Gegenteil: Es ist meist der Weg, der die Rettung überhaupt erst möglich macht.

Wann Einzeltherapie, wann Paartherapie sinnvoll ist

Diese Frage bekomme ich oft gestellt, und die Antwort ist selten „entweder-oder". Wenn du selbst fremdgegangen bist oder mit dem Gedanken spielst und noch nicht verstehst, warum, kann eine Einzeltherapie helfen, eigene Muster, Bindungsgeschichte und Bedürfnisse zu klären – unabhängig davon, ob die Beziehung fortbesteht. Auch wenn du betrogen wurdest und das Gefühl hast, mit der emotionalen Wucht allein klarkommen zu müssen, kann Einzeltherapie ein wichtiger erster Schritt sein, bevor ihr überhaupt gemeinsam sprechen könnt.

Eine Paartherapie ist dagegen der richtige Rahmen, sobald beide bereit sind, gemeinsam an der Beziehung zu arbeiten – egal ob mit dem Ziel, zusammenzubleiben, oder mit dem Ziel, sich bewusst und klar zu trennen. Viele Paare denken, Paartherapie sei nur für die erste Option gedacht. Das stimmt nicht: Auch eine gute, respektvolle Trennung profitiert oft sehr von begleiteten Gesprächen, besonders wenn gemeinsame Kinder oder ein gemeinsames Leben viele weitere Absprachen nötig machen.

Häufige Fragen zum Thema Fremdgehen

Muss ich meinem Partner von einer einmaligen Affäre erzählen, wenn sie längst vorbei ist?

Es gibt hier keine allgemeingültige Antwort, und ich rate bewusst nicht pauschal zum Beichten. Wichtig ist die ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Motivation: Geht es darum, die Beziehung auf eine ehrlichere Grundlage zu stellen – oder in erster Linie darum, sich selbst durch das Geständnis zu entlasten? Diese Unterscheidung lohnt sich, idealerweise im Rahmen einer Einzeltherapie, bevor eine so weitreichende Entscheidung getroffen wird.

Kann eine Beziehung nach Fremdgehen jemals wieder genauso werden wie vorher?

Genau wie vorher wahrscheinlich nicht – und das muss auch nicht das Ziel sein. Viele Paare, die eine Affäre gemeinsam durchgearbeitet haben, beschreiben ihre Beziehung danach als ehrlicher, bewusster und tiefer als zuvor, weil beide gezwungen waren, Dinge auszusprechen, die vorher unausgesprochen blieben. Das rechtfertigt die Affäre nicht – aber es zeigt, dass „anders" nicht automatisch „schlechter" bedeutet.

Wie lange dauert es, bis das Vertrauen wieder da ist?

Das ist von Paar zu Paar sehr unterschiedlich und hängt unter anderem davon ab, wie ehrlich und konsequent der untreue Partner mit der Situation umgeht. Erfahrungsgemäß braucht es eher Monate als Wochen, bei tiefer verletztem Vertrauen manchmal deutlich länger. Geduld mit diesem Prozess ist keine Schwäche, sondern eine realistische Erwartung.

Was, wenn ich nach der Affäre merke, dass ich die Beziehung eigentlich beenden möchte?

Das ist eine ebenso legitime Entscheidung wie der Versuch, zusammenzubleiben. Eine Affäre bringt oft Klarheit über Dinge, die vorher verdrängt wurden – manchmal darüber, was in der Beziehung fehlt, manchmal auch darüber, dass sie ihre Zeit einfach hinter sich hat. Auch für diesen Weg kann Paar- oder Einzeltherapie eine wertvolle Unterstützung sein.

Ein persönliches Wort zum Schluss

Fremdgehen gehört zu den Themen, die in meiner Praxis am meisten Scham auslösen – auf beiden Seiten. Der untreue Partner schämt sich für das, was er oder sie getan hat. Der betrogene Partner schämt sich manchmal sogar dafür, „nicht genug" gewesen zu sein, obwohl daran keinerlei Schuld liegt. Diese Scham macht offene Gespräche zusätzlich schwer, gerade dann, wenn sie am dringendsten gebraucht werden.

Was ich mir für dich wünsche, ganz gleich, auf welcher Seite du gerade stehst: dass du dir selbst mit derselben Nachsicht begegnest, die du auch einem guten Freund entgegenbringen würdest. Fehler zu machen, verletzt zu werden, an Beziehungsgrenzen zu geraten – all das gehört zum menschlichen Leben dazu, so schmerzhaft es im Moment ist. Es macht dich nicht zu einem schlechten Menschen und deine Beziehung nicht automatisch zu einer gescheiterten.

Ob eure Beziehung nach einem Seitensprung weitergeht oder nicht, lässt sich nicht von außen entscheiden – auch nicht von mir. Aber ihr müsst diese Entscheidung nicht allein und nicht ungeklärt treffen. Ein geschützter Rahmen, in dem beide Seiten wirklich gehört werden, macht in dieser Situation oft den entscheidenden Unterschied.

Gemeinsam einen Weg finden

Nach dem Vertrauensbruch: gemeinsam oder allein den nächsten Schritt klären

Ob ihr als Paar nach einer Affäre einen Weg zueinander sucht oder du für dich selbst Klarheit über deine Gefühle und nächsten Schritte finden willst – in einem ersten, unverbindlichen Gespräch schauen wir gemeinsam, wie ich euch oder dich unterstützen kann. In Oldenburg biete ich Einzel- und Paartherapie sowie Workshops rund um Beziehung und Vertrauen an.

Erstgespräch vereinbaren

Wenn dich das Thema Vertrauen in der Beziehung grundsätzlich beschäftigt, lese vielleicht auch meine Artikel über Eifersucht oder über Kommunikationsprobleme in der Beziehung – beide Themen hängen mit dem, was nach einem Vertrauensbruch wichtig wird, eng zusammen.

Denise Winter Systemische Therapeutin & Coachin · Oldenburg
📧 info@denise-winter.de  |  📞 0152 26972141
Meta-Beschreibung (für Google): Fremdgehen erschüttert Vertrauen und Beziehung. Systemische Therapeutin Denise Winter erklärt, warum Menschen untreu werden, was es mit beiden Seiten macht – und was jetzt wirklich hilft.
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Pädagogin und Coachin

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