
„Ich wünsche mir eine Beziehung. Aber nicht mehr um jeden Preis.“
Wer passt zu mir?
Diesen Satz höre ich in meiner Praxis oft. Meist sagen ihn Menschen, die schon einiges hinter sich haben: eine Trennung, mehrere Dates, die im Sand verlaufen sind, oder eine Beziehung, in der sie sich selbst ein Stück verloren haben. Sie wollen nicht mehr irgendwen. Sie wollen wissen, wer zu ihnen passt.
Die meisten beginnen dann mit Fragen, die nach außen gehen: Wo lerne ich jemanden kennen? Welche App ist die richtige? Woran merke ich beim ersten Treffen, ob da mehr entstehen kann? Das sind berechtigte Fragen. Und trotzdem fehlt ihnen oft ein Stück, das ich in der Beratung immer wieder sehe: Ob jemand zu dir passt, hängt nicht nur von dem Menschen ab, der dir gegenübersitzt. Es hängt auch davon ab, wer du bist, was du erlebt hast und was du darin gelernt hast, wie Beziehung funktioniert.
In diesem Artikel nehme ich dich mit durch das, was ich aus der systemischen Beratung für diese Frage für hilfreich halte. Es geht um deinen „Rucksack“, um Bindung, um Bedürfnisse und Werte, um Anziehung, die sich vertraut anfühlt und dir trotzdem nicht guttut, und am Ende um zwölf Fragen, die du dir aufschreiben kannst. Du bekommst keinen Test, der dir sagt, welcher Typ Mensch zu dir passt. Eher eine Landkarte, mit der du dich selbst besser lesen kannst.
„Der Richtige“ klingt nach einem Menschen, der irgendwo auf dich wartet und nur gefunden werden muss. In meiner Arbeit erlebe ich Partnerschaft anders. Passung ist keine Eigenschaft einer einzelnen Person. Sie entsteht zwischen zwei Menschen, in dem, was sie mitbringen, und in dem, wie sie miteinander umgehen. Systemisch gesprochen: Es geht um die Wechselwirkung.
Das hat eine praktische Folge. Wenn du nicht weißt, was du in einer Beziehung brauchst, wählst du nach Gefühl, nach Gewohnheit oder danach, wer sich gerade für dich interessiert. Das kann gut gehen. Es kann aber auch dazu führen, dass du dich Jahre später fragst, warum du schon wieder an jemanden geraten bist, bei dem du dich verbiegen musst.
Was sagt die Forschung zur Partnerwahl? Seit Jahrzehnten zeigt sich, dass Paare einander in Bildung, Werten und Lebenszielen meist ähnlicher sind, als es der Zufall erwarten ließe. Das ist nicht überraschend: Wer ähnliche Vorstellungen von Alltag, Familie und Geld hat, muss weniger aushandeln. Gleichzeitig zeigt meine Erfahrung, dass Ähnlichkeit allein nicht reicht. Entscheidend ist auch, wie zwei Menschen mit ihren Unterschieden umgehen.
Der Schweizer Paartherapeut Jürg Willi hat dafür den Begriff der Ko-Evolution geprägt. Gemeint ist, dass sich zwei Menschen in einer Beziehung gemeinsam weiterentwickeln können, wenn beide sich für das eigene Verhalten und das des anderen interessieren und bereit sind, den eigenen Anteil an Konflikten anzusehen. Passung ist demnach nicht nur etwas, das man vorfindet. Sie ist auch etwas, das zwei Menschen miteinander entwickeln.
Was bedeutet das für deine Suche? Dass du an zwei Stellen ansetzen kannst: bei dir (Wer bin ich, was brauche ich, was bringe ich mit?) und beim Kennenlernen (Wie gehen wir miteinander um, wenn es nicht nur leicht ist?). Beides lässt sich üben.
Wenn du eine neue Person triffst, kommt nicht nur ein Mensch mit einem Lächeln und einer Verabredung. Es kommt jemand mit einem ganzen Rucksack. Du hast einen. Die andere Person auch.
In diesem Rucksack stecken:
In der systemischen Beratung gehen wir davon aus, dass wir in unseren ersten Systemen, meist der Herkunftsfamilie, lernen, wie Beziehung „geht“. Nicht, weil es jemand so beabsichtigt hätte. Kinder beobachten und passen sich an. Was wir dort lernen, nehmen wir mit: in Freundschaften, im Beruf und in Partnerschaften. Wenn du dazu mehr lesen möchtest, schau in meinen Beitrag über die Kindheit und ihre Auswirkungen auf heutige Beziehungen oder in den über Biografiearbeit.
Eine kleine Übung für den Anfang: Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe auf, wie in deiner Herkunftsfamilie Nähe gezeigt wurde. Durch Worte? Durch Taten? Durch Humor? Gar nicht? Und dann: Welche dieser Arten fühlt sich für dich heute vertraut an, und welche würdest du dir anders wünschen? Du musst nichts bewerten. Du sammelst nur.
Wichtig ist mir: Der Rucksack ist kein Urteil über dich. Er erklärt, warum du so fühlst, wie du fühlst. Und er lässt sich auspacken, sortieren und manchmal leichter machen.
Eine Erfahrung, die ich in der Beratung oft höre: „Bei dem einen Menschen hat es sofort gefunkt, und es war am Ende doch nur anstrengend. Und bei dem netten, verlässlichen Menschen war da nichts.“
Das ist kein Zufall. Wir fühlen uns oft zu dem hingezogen, was uns vertraut ist. Und vertraut muss nicht heißen, dass es uns gut tut. Wer als Kind gelernt hat, dass Zuwendung nicht selbstverständlich ist, sondern verdient werden muss, erlebt Menschen, die sich nur sporadisch melden, manchmal als besonders spannend. Die Unsicherheit fühlt sich an wie Verliebtheit. Dabei ist es auch Alarmbereitschaft.
Ein zweiter Mechanismus: Wir suchen oft unbewusst nach dem, was wir bedienen können. Dafür haben wir schließlich Handwerkszeug. Wer früh gelernt hat, zu versorgen, zu vermitteln oder zu retten, begegnet erstaunlich oft Menschen, die versorgt, vermittelt oder gerettet werden wollen. Das fühlt sich zunächst sehr stimmig an: Man wird gebraucht. Auf Dauer ist es aber oft nicht das, was wir uns eigentlich wünschen.
Jürg Willi hat dieses Zusammenspiel in seinem Konzept der Kollusion beschrieben: Partner*innen verbinden sich häufig über ein unbewusstes Zusammenspiel ihrer eigenen ungelösten Themen. Beide spielen mit, ohne es zu wissen, und deshalb gibt es auch nicht die eine schuldige Person. Ich finde das entlastend, weil es den Blick weg von „Wer ist schuld?“ lenkt und hin zu „Was passiert da eigentlich zwischen uns?“.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens: Das sind Tendenzen, keine Gesetze. Nicht jede Anziehung ist ein altes Muster, und nicht jeder Funke ist verdächtig. Zweitens: Auch „kein Funke“ bei einem freundlichen Menschen heißt nicht automatisch, dass es nicht passt. Es kann sein, dass der Körper Ruhe noch nicht als Verliebtheit einordnet.
Eine Frage hilft mir hier oft: Fühle ich mich bei dieser Person aufgeregt oder aufgehoben? Beides kann schön sein. Aber sie fühlen sich unterschiedlich an, und sie führen langfristig zu unterschiedlichen Beziehungen.
Wenn du dich in diesem Abschnitt wiedererkennst und dich fragst, warum sich deine Beziehungen so ähnlich anfühlen, lies gern meinen Beitrag Wenn sich das Muster wiederholt.
Passend dazu
Wenn du genauer hinschauen möchtest, was du in eine Partnerschaft mitbringst und was du dir wirklich wünschst, kann dich mein Workbook „Wer passt zu mir?“ begleiten. Es lädt dich ein, deine Prägungen, Beziehungsmuster, Werte und Bedürfnisse zu erkunden – mit Beispielgesprächen aus der Beratung und Übungen für zuhause. Zu den Workbooks
Wahrscheinlich bist du dem Begriff „Bindungsstil“ schon begegnet. Die Bindungstheorie geht auf John Bowlby und Mary Ainsworth zurück und beschreibt, wie Kinder Sicherheit bei ihren Bezugspersonen suchen. In den 1980er Jahren haben Cindy Hazan und Phillip Shaver diese Gedanken auf erwachsene Liebesbeziehungen übertragen. Seitdem unterscheidet man grob vier Stile:
Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Bindungstypen: Wie sie deine Beziehung prägen.
Für die Frage „Wer passt zu mir?“ ist dein Bindungsstil deshalb interessant, weil er beeinflusst, wie viel Nähe und Distanz du brauchst, wie du mit Unsicherheit umgehst und was dich in einer Kennenlernphase beruhigt oder unruhig macht. Wer ängstlich gebunden ist, erlebt eine Pause von zwei Tagen ohne Nachricht oft ganz anders als jemand, der eher vermeidend ist.
Du hast vielleicht gelesen, dass sich ängstliche und vermeidende Menschen häufig finden. Diese Konstellation begegnet mir in der Praxis tatsächlich oft. Wissenschaftlich ist es allerdings weniger eindeutig, als es in sozialen Medien klingt. Nimm es als Beobachtung aus der Praxis, nicht als Regel.
Und jetzt der Teil, der mir am wichtigsten ist: Dein Bindungsstil ist kein Schicksal. Er ist relativ stabil, aber veränderbar. Eine Übersicht des Magazins Spektrum der Wissenschaft fasst mehrere Studien dazu zusammen („Bindung ist kein Schicksal“). In einer Langzeituntersuchung von Kirkpatrick und Hazan blieb bei etwa 70 Prozent der Teilnehmenden der Bindungstyp über vier Jahre gleich. Das heißt aber auch: Bei einem Teil veränderte er sich. Eine Studie von Hudson und Kolleg*innen aus dem Jahr 2020 fand, dass der Wunsch nach Veränderung tatsächlich Veränderung vorhersagte: Wer weniger ängstlich sein wollte, wurde in dem Beobachtungszeitraum weniger ängstlich, wer weniger vermeidend sein wollte, wurde weniger vermeidend.
Das ist für mich eine ermutigende Botschaft. Du musst nicht erst „fertig“ sein, bevor du jemanden kennenlernst. Aber du kannst dich auf den Weg machen und beobachten, was sich verändert, wenn du dein Muster kennst.
Wenn ich Menschen frage, was sie sich in einer Partnerschaft wünschen, höre ich oft: „Ehrlichkeit, Vertrauen, Humor, Respekt.“ Das stimmt, und es sind Wünsche, die fast alle teilen. Deshalb helfen sie bei der Frage „Wer passt zu mir?“ wenig. Hilfreicher wird es, wenn wir drei Ebenen auseinanderhalten:
Bedürfnisse sind das, was du brauchst, um dich in einer Beziehung wohlzufühlen: Nähe, Eigenständigkeit, Sicherheit, Abenteuer, Anerkennung, Ruhe, Austausch. Sie bestimmen, wie du dich fühlst.
Werte sind das, was dir wichtig ist: Loyalität, Freiheit, Familie, Ehrlichkeit, Verantwortung, Neugier. An ihnen hängen die großen Konflikte. Zwei Menschen können sich sehr mögen und trotzdem an einer Wertfrage scheitern, etwa daran, wie wichtig Freiheit und wie wichtig Verbindlichkeit sind.
Lebensentwurf ist das ganz Praktische: Kinderwunsch, Wohnort, Arbeit, Geld, wie viel Zeit mit Freund*innen, wie viel Zeit zu zweit. Hier entscheidet sich, ob euer Alltag zusammenpasst.
Wie findest du heraus, was deine Bedürfnisse sind? Meine Lieblingsfrage dafür: Wann habe ich mich in einer Beziehung (oder Freundschaft) wirklich gesehen gefühlt? Schreib eine konkrete Situation auf. Was ist genau passiert? Was hat die andere Person gesagt oder getan? Hinter dieser Situation steckt fast immer ein Bedürfnis. Dasselbe funktioniert andersherum: Wann habe ich mich allein gefühlt, obwohl jemand da war?
Zu Werten und Bedürfnissen habe ich zwei eigene Beiträge geschrieben: Werte in der Beziehung und Eigene Bedürfnisse erkennen. Und weil das Aufschreiben mehr bewirkt als das Nachdenken im Kopf, gibt es dazu auch mein Workbook „Wer passt zu mir?“. Es führt dich in fünf Kapiteln mit Übungen zum Schreiben durch genau diese Fragen: zu Prägungen aus deiner Familie, zu Beziehungsmustern, zu Werten und zu Bedürfnissen. Mehr dazu findest du unten im Artikel.
Ein Gedanke noch zum Selbstwert, weil er an dieser Stelle eine große Rolle spielt. Wenn ich gelernt habe, dass mein Wert daran hängt, wie viel ich leiste oder ob mir jemand ihn zugesteht, wähle ich Beziehungen anders aus. Ich suche dann eher Menschen, bei denen ich mich beweisen kann, als Menschen, bei denen ich einfach sein darf. Wie Selbstwert entsteht und wie du ihn stärken kannst, habe ich in Dein Selbstwert und dein Selbstwertgefühl beschrieben.
Passend dazu
Wenn du auch deinen Lebensentwurf klarer sehen möchtest, hilft vielleicht mein Workbook „Dein 2027“. Es lädt dich ein, auf das zu schauen, was war, und bewusst zu entscheiden, was als Nächstes Raum bekommen soll. Zu den Workbooks
Viele Singles haben eine Liste im Kopf, was der oder die Richtige mitbringen soll. Manche sind auffallend lang („nicht rauchen, sportlich, Humor, mit Kinderwunsch, Hund okay, aus der Region …“). Andere sind so vage, dass sie niemandem helfen. Ich schlage etwas anderes vor: drei Spalten.
Muss: Das brauche ich wirklich, sonst wird es für mich auf Dauer nicht tragen. Dazu gehören meist nur wenige Dinge, etwa ein ähnlicher Kinderwunsch, grundlegende Ehrlichkeit oder die Bereitschaft, auch über Schwieriges zu sprechen.
Kann: Das wäre schön, ist aber verhandelbar. Hier landen die meisten Wünsche: gemeinsame Hobbys, ein bestimmter Humor, ähnliche Vorlieben.
Nein: Hier schreibst du hin, was du nicht möchtest. Mein Tipp: Formuliere es als Verhalten, nicht als Eigenschaft. „Ich bleibe nicht bei jemandem, der mich bei Streit tagelang ignoriert“ ist hilfreicher als „Der Mensch darf nicht kalt sein“. Verhalten kannst du beobachten. Eigenschaften interpretierst du hinein.
Warum das schützt: Eine klare Liste hilft dir, Grenzen früh zu spüren, statt sie erst nach Monaten zu entdecken. Sie hilft dir aber auch, nicht an unwichtigen Details zu scheitern. Und sie erinnert dich daran, dass „Nein“ sagen ein Teil von Nähe ist. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Grenzen setzen in Beziehungen.
Eine Warnung zum Schluss: Eine Liste ist ein Kompass, kein Bestellformular. Der Mensch, der zu dir passt, wird nicht jeden Punkt abhaken. Wenn du merkst, dass keine Person je „genügt“, lohnt sich die Frage, was dahinter steckt, etwa die Angst, sich festzulegen oder verletzt zu werden.
Das folgende Beispiel ist erfunden und aus mehreren Erfahrungen zusammengesetzt. Es zeigt, wie eine solche Auseinandersetzung aussehen kann.
Mara, Mitte dreißig, kommt in die Beratung. Sie sagt: „Ich lerne immer wieder Menschen kennen, die sich nicht festlegen wollen. Und die verlässlichen, netten finde ich nach zwei Dates langweilig.“
Wir schauen zuerst auf ihren Rucksack. Mara ist in einer Familie aufgewachsen, in der Zuwendung vor allem dann kam, wenn sie gute Leistungen brachte. Sie war die Vernünftige, die Ältere, die nichts brauchte. „Liebe muss man sich verdienen“, wurde zu einem Satz, den sie nie ausgesprochen hat, aber lange gelebt hat.
Dann schauen wir auf ihre Beziehungen. Die unverbindlichen Menschen, die sie anziehend fand, hatten eines gemeinsam: Bei ihnen musste sie sich anstrengen. Das war vertraut. Und es hat sich, so beschreibt sie es selbst, „lebendig“ angefühlt. Bei den verlässlichen Menschen fehlte diese Anspannung. Sie hat die Ruhe als Langeweile gedeutet.
Was folgt, ist kein Rat nach dem Motto „Gib dem Netten eine Chance“. Mara lernt, ihre Signale zu unterscheiden: Wann ist es Aufregung, weil ich unsicher bin? Wann ist es Interesse? Sie schreibt auf, was sie wirklich braucht (Verbindlichkeit, Humor, Raum für eigene Interessen) und was sie früher geglaubt hat, aushalten zu müssen. Beim nächsten Date mit einem freundlichen, zugewandten Mann merkt sie: „Da ist kein Funke, aber auch keine Anspannung. Ich bin einfach ich.“ Sie entscheidet sich für ein zweites Treffen und beobachtet, was passiert.
Wie es ausgeht, ist offen, und das ist mir wichtig zu sagen. Es geht nicht darum, dass Mara am Ende die „richtige“ Person findet. Es geht darum, dass sie die Wahl hat, statt von einem alten Muster gewählt zu werden.
Wenn du schon eine Weile mit dir selbst unterwegs bist, kannst du das Kennenlernen mit anderen Augen betrachten. Ein paar Fragen, die mir dabei helfen:
Wie fühle ich mich nach dem Treffen? Ruhiger oder aufgedrehter? Bestätigt oder verunsichert? Müde oder erfüllt? Beobachte das über mehrere Treffen. Ein einzelner Abend sagt wenig.
Passen Worte und Taten zusammen? Verlässlichkeit zeigt sich in Kleinigkeiten: Wird gemeldet, wenn es später wird? Hält die Person, was sie sagt? Du musst nicht prüfen, du kannst einfach hinsehen.
Wie geht die Person mit meinem „Nein“ um? Das ist für mich einer der aussagekräftigsten Hinweise. Was passiert, wenn du sagst, dass du heute keine Lust auf ein Treffen hast oder etwas nicht möchtest? Bleibt die Stimmung freundlich oder kippt sie?
Zeigt die Person Neugier für mich? Interesse am Gegenüber zeigt sich darin, dass jemand nachfragt, sich an Dinge erinnert und dir Raum lässt.
Wie sieht das Tempo aus? Ein sehr schnelles Tempo kann Begeisterung sein. Es kann aber auch bedeuten, dass wenig Raum bleibt, um einander wirklich kennenzulernen. Frag dich, ob du das Tempo mitbestimmst.
Wie gehen wir mit der ersten Reibung um? Irgendwann gibt es die erste Unstimmigkeit. Beachte nicht nur, wie sie entsteht, sondern vor allem, wie ihr danach wieder zusammenfindet. Wie ein Paar mit Konflikten umgeht, ist oft aussagekräftiger als die Frage, ob es sie gibt. Mehr dazu in Was passiert da nur mit mir: Das eigene Verhalten im Konflikt erkennen.
Und noch etwas zur Verliebtheit: Sie färbt den Blick, und das ist schön. Sie macht aber manches weicher, als es später im Alltag ist. Du musst deshalb nicht misstrauisch werden. Lass dir einfach Zeit, das Bild über mehrere Monate zu vervollständigen.
Passend dazu
Wenn du irgendwann in einer Beziehung bist und ihr merkt, dass Gespräche schwerer werden, kann euch mein Workbook „Wieder miteinander sprechen“ begleiten: mit kurzen Hintergründen aus der systemischen Paararbeit, fiktiven Beispielgesprächen und Übungen, die ihr zu zweit zuhause machen könnt. Zu den Workbooks
Nimm dir für diese Übung etwa eine Stunde, am besten verteilt auf mehrere Tage. Schreib mit der Hand, wenn du magst. Es gibt keine richtigen Antworten.
Lies deine Antworten nach ein paar Tagen noch einmal. Meist fallen dir dann Zusammenhänge auf, die du beim Schreiben nicht gesehen hast.
Manche Fragen lassen sich allein gut bearbeiten. Bei anderen hilft ein Gegenüber. Ich würde mir Unterstützung holen, wenn:
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, dass du deine Geschichte ernst nimmst. In meiner Praxis in Oldenburg begleite ich Menschen einzeln dabei, ihren Rucksack zu sortieren und ihren eigenen Weg zu finden. Ein Workbook oder ein Artikel kann eine Beratung nicht ersetzen. Aber er kann ein Anfang sein.
„Wer passt zu mir?“ ist eine Frage, die du nicht mit einem Schlag beantwortest. Du beantwortest sie Stück für Stück: indem du hinschaust, was du mitbringst, was du brauchst und was dir guttut, und indem du das beim Kennenlernen beobachtest.
Ich glaube, dass Partnersuche leichter wird, wenn sie nicht mehr nur eine Suche nach außen ist. Wenn du weißt, wo du hinwillst, kannst du Menschen ganz anders begegnen: neugieriger, klarer und mit weniger Angst, etwas falsch zu machen. Und du kannst früher spüren, wann etwas nicht stimmt, ohne dich dafür zu verurteilen.
Du musst dafür nicht perfekt sein, nicht „fertig“ und nicht heil. Du darfst mit deinem Rucksack losgehen. Es hilft, wenn du ihn ein bisschen besser kennst.
Es gibt kein einzelnes Zeichen. Hilfreich sind drei Dinge zusammen: ähnliche Vorstellungen von Werten und Lebensentwurf, ein gutes Gefühl in deinem Körper, das sich über mehrere Treffen bestätigt, und die Erfahrung, dass ihr auch mit Reibung umgehen könnt. Je klarer du deine eigenen Bedürfnisse kennst, desto leichter erkennst du, ob ein Mensch sie ernst nimmt.
Oft spielen frühe Beziehungserfahrungen, Glaubenssätze und Bindungsmuster zusammen. Wir fühlen uns zu Vertrautem hingezogen, auch wenn es uns nicht guttut. Hilfreich ist, das Muster erst einmal ohne Vorwurf zu beschreiben. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Wenn sich das Muster wiederholt.
Er gilt als relativ stabil, ist aber nicht festgelegt. Studien zeigen, dass sich Bindungsmuster verändern können, etwa durch neue Beziehungserfahrungen und durch bewusste Auseinandersetzung. Eine Übersicht dazu findest du bei Spektrum der Wissenschaft.
Eine feste Regel gibt es nicht. Hilfreich ist die Frage, ob eine frühere Beziehung emotional abgeschlossen ist und ob du eher nach jemandem suchst oder vor etwas wegläufst. Wenn du dich beim Dating häufig erschöpft oder überfordert fühlst, kann eine Pause hilfreich sein. Muss sie aber nicht.
Sie ist ein schönes Zeichen für Anziehung, mehr nicht. Ob eine Beziehung trägt, zeigt sich im Alltag, im Streit und in der Art, wie ihr miteinander umgeht, wenn es mal nicht leicht ist.
Zum Weiterarbeiten zuhause
Wenn du für dich weiterarbeiten möchtest, kann dich mein Workbook „Wer passt zu mir?“ begleiten. Es führt dich in fünf Kapiteln mit Einführungen, Beispielgesprächen und 15 ausführlich erklärten Übungen mit Platz zum Schreiben durch Prägungen aus deiner Familie, Beziehungsmuster, Werte und Bedürfnisse. Kein Test, der dir sagt, wer du bist. Eher Fragen, die dich dir selbst näherbringen. Als gedrucktes Heft im A5-Format. Dazu passen auch „Was ich fühle“, „Wieder miteinander sprechen“ und „Dein 2027“. Zu den Workbooks
Bollmannsweg 27d | 26125 Oldenburg | 0152-26972141 | info@denise-winter.de
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Mo | Do 08:00 - 12:15 und 15:30 - 19:00
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